Richtiges Üben am Instrument

15.09.2016


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Wie übt man richtig?

Die Antwort auf diese Frage sollte jeder beantworten können, der ernsthaft ein Instrument lernen möchte. Üben ist, wie wir alle wissen, das A und O um ein Instrument beherrschen zu können. Doch fast alle meine Schüler praktizieren eine Übemethode die ihnen nahezu keinen Übe-Erfolg bringt. Daher ist einer der wichtigsten Lehrinhalte meines Unterrichts das „richtige Üben“. Und das immer und immer wieder.

Status Quo

Heutzutage sind die Kinder hochbeschäftigt. Neben dem häufigen Nachmittagsunterricht im Gegensatz zu früher, kommen noch zahlreiche weitere Hobbys und Aktivitäten hinzu. Da gibt es verschiedene Sportarten wie z.B. Bogenschießen, Schach, Reiten und noch weitere…. Hausaufgaben sollten zwischendurch auch noch gemacht werden. Einfach mal gar nichts tun und Langeweile zu haben ist heute im Alltag schon fast nicht mehr möglich. Es fehlt schlicht und einfach die Zeit und Ruhe sich mit dem Instrument zu beschäftigen und zu üben. Dabei würden gerade mal 15 Minuten am Tag schon reichen. Der Schlüssel dabei ist kontinuierliches Üben und Durchhaltevermögen.

Ein Lösungsversuch

Was können wir also tun um unsere Schüler vorwärts zu bringen? Wir müssen unseren Schülern eine gute Übemethodik lehren, damit die wenige Zeit die am Instrument verbracht wird, so effektiv wie möglich gestaltet werden kann. Ein Schüler der nicht weiß wie und was er üben soll, übt nicht wirklich - auch wenn er es tatsächlich versucht. Wir müssen Ihm die richtige Balance zwischen sinnvollem, effektiven Üben und Spielen zur Motivation zeigen. Eine ungleiche Gewichtung, egal zu welcher Seite hin, schadet dem Erfolg am Instrument. „Verdonnern“ wir den Schüler zum ausschließlichen Üben, geht über kurz oder lang die Motivation verloren. Der Schüler wird zwar technisch gesehen besser, kann aber das gelernte nicht selbst anwenden. Andererseits, wenn die Stücke nur „zum Spaß“ immer und immer wieder durchgespielt werden, bleibt der Erfolg ebenso auf der Strecke, da die technische und musikalische Besserung ausbleibt und der Schüler somit auf der Stelle steht. Nur die richtige Ausgewogenheit zwischen Üben und Spielen bringt den gewünschten Erfolg. Die Schwierigkeit für uns Lehrer ist, die geeigneten Stücke und Übungen zu finden um diese Balance zu erreichen. Wie wir alle wissen, verlagert sich dieser Schwerpunkt, je nach Stück oder sogar innerhalb eines Stückes.

Systematische Herangehensweise

Wichtig ist es dem Schüler deutlich zu machen, dass der kontinuierliche geringe Aufwand wesentlich mehr Erfolg verspricht als der punktuelle größere. Einfach gesagt, jeden Tag 15 Minuten üben ist effektiver als einmal in der Woche und dann gleich zwei Stunden am Stück. Natürlich wissen wir das als Lehrer - dennoch müssen wir es unseren Schülern immer wieder aufs neue klar machen. Die „keine Zeit“ Ausrede haben wir alle schon von unseren Schülern gehört - doch in Wahrheit ließen sich 15 Minuten an 5 Tagen realisieren. Ein Trick dabei ist es mit dem Schüler seinen Tagesablauf durchzugehen und die 15 Minuten für das Instrument fest einzuplanen. Steht es mal im Stundenplan, ist die Wahrscheinlichkeit höher dass es auch umgesetzt wird. Als nächstes muss man die 15 Übeminuten pro Tag unterteilen: 2-3 Minuten einspielen mit Tonleitern, Hanon, oder anderen Finger- oder Akkordübungen. Danach verschiedene Schwierigkeiten am Stück einzeln üben. Die letzten 2-4 Minuten bleiben übrig um einfach zu spielen was man möchte. Hat der Schüler mehr Zeit zur Verfügung, lassen sich die Zeitabschnitte selbstverständlich beliebig erweitern.

Im folgenden Abschnitt möchte ich auf ein paar Übemethoden eingehen, die sich als besonders effektiv erwiesen haben. Die meisten werden diese Methoden sicherlich kennen, viele unserer Schüler jedoch nicht.

Einzelne Stellen üben

Die meisten meiner Schüler fangen von vorn an, wenn Sie sich verspielt haben und irgendwo im Stück hängen geblieben sind - anstatt sich die einzelnen Stellen herauszupicken, an denen sie gescheitert sind. Der Grund ist klar, man kommt schwerer in die Stelle rein, als von vorne anzufangen. Auch das will trainiert sein: einfach mal in einem beliebigen Takt anfangen zu können. Zur Lösung der Schwierigkeit ist es notwendig direkt davor anzufangen und direkt danach aufzuhören und die schwierige Stelle zu wiederholen. Schafft man es dennoch nicht, muss man weitere Methoden zur Problemlösung anwenden.

Vereinfachen

Der Grund warum man die Stelle nicht spielen kann ist, sie ist zu schwer. Eigentlich logisch. Jedoch sehen das die wenigsten Schüler ein und probieren die Stelle erst gefühlte 20 mal vom Blatt zu spielen um dann entnervt zur nächsten Stelle zu gehen oder einfach aufzuhören. Wir müssen unseren Schülern zeigen, wie Stellen vereinfacht werden können. Dabei gibt es verschiedene Methoden, die auch von der zu spielenden Stelle abhängig sind - jedoch die einfachste Methode die in den meisten Fällen funktioniert, ist verlangsamen. Das Tempo einfach mal halbieren. Das Gehirn hat somit Zeit, die Informationen im Notentext besser zu verarbeiten. Hilft das immer noch nicht, gibt es weitere Möglichkeiten zu vereinfachen, wie z.B. getrennt spielen?, Abschnitte des Taktes spielen, Noten weglassen und Rhythmus vereinfachen. Hat man genügend vereinfacht, sollte die Stelle kein Problem mehr darstellen. Nun beginnt man langsam, die Geschwindigkeit wieder hinzuzufügen und nähert sich dem original Schwierigkeitsgrad. Am Ende sollte man die Stelle einigermaßen beherrschen können.

Fingersätze Ein wichtiger Aspekt der oft vernachlässigt wird. Gute Fingersätze sind enorm wichtig um schwierige Stellen richtig spielen zu können. Oft wird „genommen was grad da ist“ - und das sind bei jedem Durchgang andere Fingersätze. Schreibt Eurem Schüler die Fingersätze drüber. Jede Hand benötigt andere Fingersätze. Gerade bei jungen Händen passen die Fingersätze eines Erwachsenen überhaupt nicht. Die Hand soll sich ja eine Bewegung merken können - das geht nicht, wenn jedesmal andere Finger an der Reihe sind.

„Loopen" bzw. „im Kreis“ spielen

Eine weitere Methode ,die ich sehr gerne anwende, ist das „Loopen“. Dabei wird ein der maximal zwei Takte ohne Pause im Kreis gespielt. Als wären Wiederholungszeichen statt normale Taktstriche eingezeichnet - gerne auch im langsamen Tempo. Dadurch kann man eine Stelle die etwas wacklig läuft, wieder gerade biegen. Gerade der lückenlose Einstieg am Taktanfang kann schwer sein. Kann man die Stelle jedoch loopen ist Sie meist schon gemeistert. Da der Taktstrich nur zur optischen Orientierung dient, wähle ich oft unabhängig der Taktstriche musikalisch sinnvolle Phrasen die wiederholt werden, je nach Stück.

Harmonische Analyse

Oft hilft es auch die Stelle harmonisch zu Analysieren. Welche Töne werden gespielt? Lässt sich eine Struktur erkennen? Wird eine Harmonie umspielt? Kenne ich vielleicht sogar den Akkord dazu? Oder kann ich mir das optische Bild der Melodie merken (2 hoch, 3 runter, etc.)? Hat man sich einmal diese Fragen gestellt, lässt sich die Stelle besser merken und die Schwierigkeit hat sich vielleicht damit schon erledigt.

„Fassung fürs Ohr“

Bei der „Fassung fürs Ohr“ werden technische Probleme auf beide Hände aufgeteilt um eine richtigen klanglichen Eindruck der schwierigen Stelle zu erhalten. Als Beispiel: In der rechten Hand sollen Akkordarpeggien über 2 Oktaven gespielt werden. Nun teilt man die Akkordarpeggien auf beide Hände auf um die akustisch richtige Version zu hören. In den nachfolgenden Wiederholungen wechselt man zwischen der einhändigen und der beidhändigen Version der Arpeggien und versucht sie klanglich anzunähern. Das Gefühl der „Einfachheit und Leichtigkeit“ der beidhändigen Version beizubehalten während man die Stelle mit einer Hand spielt kann helfen um dieses technische Problem zu lösen.

Variationen und Varianten

Oft unterschätzt, aber dennoch sehr effektiv ist es, Stellen in verschiedenen Variationen zu üben. Ähnlich wie beim Sport, stellt sich unser Körper auf Bewegungsmuster ein und optimiert diese. Deshalb soll man beim Laufen auch nicht ständig dieselbe Strecke in der selben Geschwindigkeit laufen. Der Körper optimiert die Bewegung und der Trainingseffekt geht verloren. Dasselbe passiert beim Üben. Daher lohnt es sich die Stücke oder Stellen zu variieren. Schneller, langsamer, staccato, legato, verschiedene Betonungen setzen, laut, leise, mal gerade, mal als Swing. Die Möglichkeiten sind schier unendlich.

Auswendig spielen

Dieser Tipp ist auch sehr offensichtlich, wird aber dennoch selten angewendet. Der Schüler soll die Stelle auswendig lernen. Richtig auswendig gelernt, gibt es meistens auch kein Problem mehr. Es ist ja generell so, sobald der Kopf mit Notenlesen beschäftigt ist, bleibt weniger Kapazität zum Spielen und Zuhören übrig. Der musikalische Aspekt bleibt somit auf der Strecke.

Es ist natürlich nicht nur eine dieser Methoden anzuwenden. Es können und sollen alle miteinander kombiniert werden damit sie zum Erfolg führen. Dem Schüler sind diese Methoden beim Üben jedoch nicht bewusst, oder er weiß nicht wie er sie anwenden soll. Daher müssen wir im Unterricht schon vorarbeiten und unseren Schülern immer wieder aufzeigen wie sie mit Problemstellen umgehen können damit sich der Erfolg einstellt.

Motivation

Ohne Motivation kein Erfolg. Hat der Schüler keinen Spaß am Stück oder generell keinen Antrieb und kein Ziel, wird er auch nicht üben. Wir müssen dann dem Schüler Ziele setzen - oder eben anders motivieren. Eine Möglichkeit ist es ein Stück seiner Wahl zu erarbeiten - egal aus welchem Genre. Manche Stücke eigenen sich besser als andere - dennoch kann man versuchen ein einfaches Arrangement zu finden oder selbst zu schreiben. Ein sehr guter Motivator sind Schülervorspiele und Klassenabende. Die meisten Schüler üben dann doch mehr, wenn die Eltern und Großeltern im Publikum sitzen werden. Für manche Schüler wird es eine gewaltige Herausforderung sein, überhaupt vor Publikum zu spielen - haben Sie es geschafft, ist das ein Boost fürs Selbstvertrauen der einige Zeit anhält.

Eltern einbeziehen

Nicht zuletzt ist es wichtig dass die Eltern mit einbezogen werden. Haben die Eltern kein Auge darauf, ob wirklich geübt wird - stehen die Chancen auf Übe-Erfolg eher schlecht. Bei jüngeren Schülern führe ich immer eine Art Hausaufgaben-Heft. Die Eltern sollen über die Aufgaben im Bilde sein. Das aktive Gespräch hilft den Eltern verständlich zu machen, wieso ihre Rolle im Übealltag so wichtig ist.



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Richtiges Üben am Instrument
Über den Autor
Alexander Feil
Musiker & Klavierlehrer. Studierte bis 2013 an der Hochschule für Musik, Theater und Medien in Hannover Musikerziehung im Hauptfach Jazz-Klavier.
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